DIE VORGESCHICHTE
Eine sympathische Begegnung, ein nettes Miteinander und eine gute Idee – so beginnen tolle Geschichten. Und in diesem Fall eine wirklich ganz besondere!
Für verdiente Kameraden, die durch Vorträge, Hilfestellungen, besondere Leistungen oder aussergewöhnliche Unterstützungen ihre Kollegen unterstützt haben, sollen besondere Geschenke überreicht werden. Es sollte etwas sein, das der Leistung entspricht: von Herzen, handgemacht, ehrlich, bodenständig. Und so kam man auf die Kugelschreiber von SchreibMeister. In der Werkstatt wurden, nach vorheriger Besprechung, die endgültigen Holzarten ausgesucht. Die Wahl fiel auf Eibe und Eiche, beides ganze besondere einheimische Bäume.
DIE EIBE
Die Eibe ist mit ihrem knorrigen Aussehen etwas ganz Besonderes. Man sagt ihr Zauberkräfte nach, sie wurde als Schutz vor Hexen und bösen Geistern ums Haus herum gepflanzt. Bei den Kelten war sie der Baum der Druiden. Das rote Fruchtfleisch ist essbar, aber alle anderen Teile der Eibe – auch der Kern! – sind giftig.
Die Europäische Eibe ist ein Kernholzbaum. Das Holz weist eine rötlichbraune Farbe auf, ist sehr dauerhaft, dicht, hart und elastisch. Eibe ist ein sehr schweres Holz, mit ansprechender Schönheit.
Die Eibe ist in Deutschland geschützt und nicht mehr im Handel erhältlich. Das Holz für diese Kugelschreiber stammt von einer großen Eibe aus dem elterlichen Garten SchreibMeisters.
DIE EICHE
Die Eiche ist unser klassisch deutscher Baum. Es gibt einige Hundert Arten von Eichen, die rund um den Globus vorkommen. Die Bäume können sehr alt und mächtig werden, bis 1.000 Jahre. Das Eichenholz ist ein wertvolles Bau- und Konstruktionsholz, damit werden Schiffe, Eisenbahn-Schwellen, Fachwerke, Treppen, Fußböden, Türen und Fenster, Fässer, Möbel und vieles mehr hergestellt.
Die Eiche war in vielen alten Kulturen ein heiliger Baum. Sie wird auch gerne als Symbol für Stabilität, Standhaftigkeit, Ehrlichkeit, Treue, Kontinuität, Festigkeit und Weisheit angesehen. Die Eicheln und Blätter werden gerne als Symbole für Wappen, Münzen, Karten und Abzeichen benutzt.
Das Eichenholz für diese Kugelschreiber stammt von einer Bayerischen Eiche, die ganz in meiner Nähe aufwuchs.
Eine alte Eibe
Ein Deutsche Eiche
Hier darf ich Sie einladen, die Geschichte der Herstellung der Eiben-Kugelschreiber in allen Schritten (na ja, in fast allen ...) mit zu erleben. Vom Holzblock bis hin zum fertigen Stift.
Der Stamm einer Eibe auf der Bandsäge. Dieser wird aufgetrennt.
So sieht ein Eibenstamm von innen aus. Manchmal erwischt man beim Drechseln genau das seltene „Grenzholz“ zwischen Kern und Splint (äusserer Bereich).
An der Bandsäge werden die gesägten Teile nun für die Kugelschreiber abgelängt.
So sehen 110 Stiftkörper für den Klickkugelschreiber aus. Im wahrsten Sinne des Wortes „eine Menge Holz“ .... Diese werden nun gebohrt.
In der Drechselbank wird genau in der Mitte ein Loch durchgebohrt, um die Messingröhrchen aufzunehmen.
Es ist wichtig, genau in der Mitte zu bohren. Verläuft der Bohrer taugt der Rohling nur noch für den Kachelofen.
Hier sind alle Stiftkörper gebohrt. Der schwarze Strich auf der Oberfläche gibt den Maserverlauf an, damit die Kugelschreiber am Ende eine durchgehende Maserung aufweisen.
In die Bohrungen werden Messigröhrchen eingeklebt, die später die „Hardware“ aufnehmen. Also Clip und Schreibspitze. Der Kleber muss 24 Stunden trocknen und durchhärten. Es schäumt dabei etwas auf.
In der Zwischenzeit baue ich Halterungen für die Stiftkörper. Immer in 2er-Paaren. Insgesamt für 60 Stifte. Für mehr reicht der Platz nicht zum auslegen und trocknen ....
Nun geht es darum, das Holz an den Enden absolut bündig und rechtwinklig zum Röhrchen abzufräsen. Hier kommen spezielle Fräser und „Führungen“ ins Spiel.
Nach dem Bündigfräsen müssen die Enden noch versiegelt werden, damit keine Feuchtigkeit an den Holzenden aufgenommen wird.
Jetzt beginnt das Drechseln. Das ist die Drechselbank. SchreibMeister ist ja nicht irgendeine Drechslerei. Daher steht der gute alte Jimi Hendrix dahinter. Nicht im Bild sind die Beatles, die Yellow Submarine und Uschi Obermaier sowie weitere Iconen der 60er und wilden 70er.
Das „Waffenarsenal“ – meine Haupt-Drechseleisen. Damit machen wir nun aus dem eckigen Holz ein rundes Holz.
Manchmal zeigen sich dann doch heftigere Risse unter der Oberfläche. Meist „kurz vor Schluss“. Diese Stiftkörper werden dann aussortiert. Nur die besten kommen weiter ....
Um eventuelle Spuren der Drechseleisen zu eliminieren, und auch, um eine tolle glatte Oberfläche zu erhalten, kommt Schleifpapier in verschiedenen Feinheiten nun zum Einsatz. Man produziert hier ein wenig „Feinstaub“ ;-)
So sehen die gedrechselten und fein geschliffenen Stiftkörper dann aus.
Jetzt erfolgt das Ölen der Stiftkörper. Danach lässt man das Öl 2-3 Tage einziehen und trocknen und wiederholt den Vorgang. Insgesamt drei Mal.
Und während die erste Tranche genüsslich das Öl einzieht, arbeite ich an der zweiten Tranche. Hier wieder 60 Stiftrohlinge, die auf das Bohren warten ...
Die zweite Tranche beim „Ölen“. Die provisorischen Halterungen erweisen bessere Dienste als gedacht :-)
Ein kurzer Einblick in den Zusammenbau. Links die einzelnen Bestandteile des Klickkugelschreibers. Jetzt entscheidet sich, ob man alles richtig gemacht hat. Wenn nicht, schaut die Mine im „eingezogenen" Zustand unten raus.
So sehen 100 fertige Kugelschreiber aus Eibe (plus Reserve-Stifte) aus. Diese werden nun mit den Zertifikaten und Beilegern in ihre Schachteln verpackt.
Ach ja ... oben, im Hintergrund, da warten schon die gebohrten Eichenrohlinge auf die Weiterverarbeitung ....
... to be continued .....